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Gemeinsame Erklärung

von Wirschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg zum Fachhochschul-Wesen

Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg haben zum Teil unterschiedliche Interessen. Dennoch entspricht es dem Selbstverständnis beider Institutionen, in einem veränderten Umfeld staatlicher Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik gemeinsame Aufgaben wahrzunehmen, bei denen für beide völlige Übereinstimmung in der Erreichung bestimmter Ziele besteht. Dies gilt zum Beispiel für die Ausbildung junger Menschen in Fachhochschulen. Die von uns übernommene Verantwortung für die gemeinsame Führung und Gestaltung der Fachhochschule Salzburg ist eine solch spezifische Ausprägung für eine neue Qualität der Sozialpartnerschaft.

Wir verstehen die gemeinsame Führung der Fachhochschule als umfassende Verantwortung, die weit über die unmittelbare finanzielle, organisatorische und personelle Aufgabenstellungen hinausreicht. Sie will vielmehr die Lehr- und Forschungstätigkeit vor dem Hintergrund gemeinsam anerkannter gesellschaftlicher und ökonomischer Grundwerte und -postitionen verankern.

Humanistische Tradition – Menschenrechte

Basierend auf diesem Selbstverständnis sehen beide Sozialpartner Lehre und Forschung in unmittelbarem Kontext der europäischen Tradition des Humanismus und der Aufklärung.

Humanismus beinhaltet dabei sowohl ethische Grundwerte wie vor allem die Unanstastbarkeit der menschlichen Würde, die Ablehnung jeder Form der Ausübung psychischer und physischer Gewalt als menschenunwürdiges Konfliktlösungsinstrument wie auch die Beschränkung des staatlichen Gewaltmonopols unter Ablehnung jeder Art der Folter und der Todesstrafe. Ebenso lehnen wir jegliche Form der Diskriminierung ab, sei es aus rassischen, religiösen, sozialen oder geschlechtsspezifischen Gründen. Toleranz innerhalb dieses humanistischen Grundverständnisses der beiden Sozialpartner wird als selbstverständlicher Teil individueller und gesellschaftlicher Beziehungen gesehen, findet aber ihre auch gesetzlich zu ziehenden Grenzen gegen die Missachtung der Menschenrechte, Religionsfreiheit, Demokratie und der Generationensolidarität.

Wir bekennen uns zu einer Gesellschaftsverfassung, die den Schutz des Privateigentums garantiert. Dem steht die Verpflichtung der Sozialbindung dieses Privateigentums als gleichwertiges konstitutives Element zur Seite. Die Soziale Marktwirtschaft als Form der Wirtschaftsverfassung, die Europa ein hohes Maß an wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt und Wohlstand ermöglicht hat, ist weiterhin unmittelbare Richtschnur unseres Handelns. Sie schließt das uneingeschränkte Recht auf Koalitionsfreiheit ebenso ein wie das Bekenntnis zu ordnungspolitischen Eingriffen und Normsetzungen eines demokratischen Staates unter Wahrung des Subsidaritätsprinzips. Ebenso sehen wir die soziale Ausgleichs- und Absicherungsfunktion des Staates und der Institutionen der Selbstverwaltung als elementaren Bestandteil der Sozialen Marktwirtschaft an. Dies beinhaltet auch die Verantwortung für den nachhaltigen Umgang mit den Schätzen der Natur.

Vielfalt für Wohlfahrt

Weder religiöse, ökonomische noch ideologische Motive gestatten einen Eingriff und eine Beschränkung der Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. In diesem Sinne bekennen wir uns zur Förderung der Vielfalt der wissenschaftlichen Konzepte, Theorien und Methoden und für einen kritischen und produktiven Diskurs unterschiedlicher wissenschaftlicher Sichtweisen.

Wir stimmen weiters darin überein, dass in unserer entwickelten Gesellschaft der wissenschaftlich-technologische Fortschritt einen der wichtigsten Antriebskräfte der gesellschaftlichen Wohlfahrt darstellt. Ihn zu fördern und zu unterstützen ist unsere gemeinsame Verpflichtung. Diese Verpflichtung schließt jedoch die Aspekte einer umfassenden Ethik nach dem “Prinzip Verantwortung” von Hans Jonas -

“Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden”

- mit ein. Es ist daher gleichermaßen unser Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass die Ergebnisse und Erkenntnisse wissenschaftlicher Arbeit nicht wertfrei, sondern in Abstimmung und Einklang mit den Grundwerten wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinwohl und Eigenverantwortung umgesetzt werden.

Wir fühlen uns verpflichtet, Lehre und Forschung der Fachhochschule Salzburg im Geist dieser programmatischen Erklärung auszurichten. Vor diesem Hintergrund unternehmen es daher Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer, jungen Menschen die besten Möglichkeiten für Bildung und Ausbildung anzubieten.

Salzburg, am 13.Jänner 2005

Gezeichnet von

  • Komm. Rat Julius Schmalz – Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg
  • Siegfried Pichler – Präsident der Arbeiterkammer Salzburg
  • Dr. Wolfgang Gmachl – Direktor der Wirtschaftskammer Salzburg
  • Mag. Gerhard Schmidt – Direktor der Arbeiterkammer Salzburg
  • Landeshauptfrau Mag. Gabriele Burgstaller – Beiratsvorsitzende
  • Vizekanzler a.D Dr. Erhard Busek – Rektor
  • Mag. Raimund Ribitsch – Geschäftsführer